über mich …

Ich wusste schon sehr zeitig, dass Kunst mein Leben bestimmen wird. Ich konnte mir nichts anderes vorstellen. Allerdings dachte ich daran, als ich am Rostocker Konservatorium bei einem Cezannisten das Rüstzeug der Malerei und Grafik vermittelt bekam, immerhin 11 Jahre lang, Künstlerin zu werden.
Meiner Mutter ist es zu danken, dass ich mit 9 Jahren eine Sprachenschule in Rostock besuchen konnte. Es stellte sich heraus, dass ich besonders begabt war. Mit 17 Jahren packte mich dann das Fernweh.

Die erste Entscheidung, die ich in meinem Leben traf, ohne meine Eltern zu konsultieren war die, das Angebot eines Studiums der Kunstgeschichte im sozialistischen Ausland anzunehmen. Ich fuhr noch mit einer Mappe unter dem Arm zur Aufnahmeprüfung in das kunstgeschichtliche Institut nach Halle, in der Annahme, dass derjenige, welcher Kunstgeschichte studieren möchte, bildkünstlerische Erfahrungen mitzubringen hat. Meine Enttäuschung war riesengroß, als man die Mappe nicht sehen wollte. Ich bestand, willensstark. Wahrscheinlich beeindruckte das.

Das Abitur absolvierte ich an der ABF in Halle und erlernte die polnische Sprache.

Irgendwie hatte ich den Eindruck, mit dieser Sprache, als käme ich zu mir zurück, als würde diese Sprache schon immer zu mir gehört haben. Eine glückliche Erfahrung, die ich nicht missen möchte.
Das Los entschied, dass ich in Krakow der zauberhaften Stadt an der Weichsel an der berühmten Jagiellonen-Universität studieren durfte. Es waren prägende Jahre. Die Distanz nach Hause wurde immer größer, da man nicht verstand, nicht verstehen konnte, was ich in dem fremden Land erlebte. Zuweilen habe ich jetzt den Eindruck, wenn ich zu meinen polnischen Freunden reise, als führe ich nach Hause.

Es war etwas in Bewegung geraten und wir waren mittendrin. Im September 1981 mußten alle Ausländer das Land verlassen. Die Regierungen der DDR und Volkspolens schienen zu dem Zeitpunkt bereits gewusst zu haben, dass im Dezember der Kriegszustand ausgerufen wird. Es war ein herzerreißender Abschied, der eigentlich keiner war, denn von meinem Institut konnte ich mich nicht abmelden.
(Erst 1995, mit der Reise nach Polen auf den Spuren von August dem Starken, die von Elzbieta Zimmermann, der Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Sachsen organisiert wurde und zu der sie mich einlud, gelang es mir, Frieden zu schließen, als ich in Krakow einen ehemaligen Professor traf, der sich an mich erinnern konnte.)
Im Oktober 1981 setzte ich mein Studium, nun Kunstwissenschaft, an der Karl-Marx-Universität in Leipzig fort. Wir waren vier Studenten, die aus Polen kamen und wurden nicht mit offenen Armen empfangen.

Ich befand mich 1982 in einer tiefen Sinnkrise, als ich schwanger wurde. Dieser Zustand mobilisierte allerdings meine Lebenskräfte. Meine Tochter Anne wurde im Juni geboren. Ich zog mit ihr auf die Baby-Etage des Studentenwohnheims auf der Tarowstraße in Leipzig. Sie hat später Soziologie studiert und über „die Dresdner Sezession 89 – zwischen gesellschaftlichem Aufbruch und kultureller Depression“ an der FU in Berlin ihre Diplomarbeit geschrieben.

1984 existierte die Galerie Mitte in Dresden bereits fünf Jahre unter der Leitung von Gabriele Muschter. Sie brach 1984 nach Berlin auf, um an der Humboldt-Universität ihre Doktorarbeit über Fotografie zu schreiben.
Ich begann am 20. August diesen Jahres meinen Dienst. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch nicht ganz 24 Jahre alt. Innerhalb von 10 Tagen wurde ich in die wichtigsten Geheimnisse der Galeriearbeit eingewiesen. Danach musste ich mich frei schwimmen. Der Galerie waren damals auch ein Jugendclub und ein Filmclub angeschlossen. In der Zeit habe ich viele ausstellungstechnische Kniffe gelernt, die ich mit Freuden heute weitergebe.

Mitte der 80er Jahre war dann auch meine experimentelle Neugier gereift.

Rednerin Dresden1990 lösten sich die Strukturen der Stadtbezirke auf. Die Galerie Mitte gehörte nun zur Verwaltung der Stadt Dresden. Zu Beginn des Jahres 1991 trat Dresdens Kulturlandschaft in eine heiße Phase ein. Man demonstrierte gegen den Kulturbankrott der Stadt. Die Galerien wurden aus der kommunalen Obhut entlassen.
Zu der Zeit tauchten zwei Architekten aus Westberlin im Kulturamt auf, die das Philip Morris Kunststipendium für junge Dresdner Maler installieren sollten und geeignete Partner suchten. Man schickte die Herren der Agentur „CONCETTO“ zu mir. Ich ließ mich darauf ein, mit ihnen zusammen zu arbeiten, schrieb einen Aufhebungsvertrag mit der Stadt und schloß einen Arbeitsvertrag mit CONCETTO.
Die Philip Morris Kunstförderung kündigte 1994 den Vertrag mit CONCETTO und schloß mit mir einen Jahreshonorarvertrag zur Betreuung der Philip Morris Kunststipendiaten ab.

Damit wurde meine Selbstständigkeit begründet.

Ich meldete zum 1. April 1994 mein Gewerbe an: „Galerie mit kunstwissenschaftlicher Ausrichtung“.

1997 trennten sich die Wege der Philip Morris Kunstförderung mit dem Wechsel der Geschäftsleitung und die meinen. Ich aktivierte meine kunstwissenschaftliche Tätigkeit.

Partner wurden das Kulturamt Dresden, der Kunstfonds des Freistaates Sachsen, der Kulturraum Mittelsachsen, die Volksbank Dresden, die TU Dresden, der Neue Sächsische Kunstverein, für den ich seit 1999 als kunstwissenschaftliche Beraterin tätig bin und seit dem 1. April 2009 als Leiterin der Geschäftsstelle fungiere.

Rednerin DresdenVon 1994-2008 habe ich intensiv mit der Galerie Design in Wroclaw zusammen gearbeitet. Ich konnte jährlich 1-2 Ausstellungen mit Dresdner Künstlern kuratieren. So arbeitete ich auch für den Weltfrieden und die Völkerverständigung, selbstverständ- lich im Ehrenamt.

Meine Kunst und meine Droge waren in all diesen Jahren Wort die ich öffentlich vertrat. Das Wort war mir zur Seite, um brennende Wahrheiten zu verkünden, um mit der Kunst auch davon zu sprechen, was mich bewegt.

2004 verließ ich die angestammten Räumlichkeiten der Galerie Mitte am Fetscherplatz 7 und zog einige Meter weiter ins Zentrum auf die Striesener Straße 49, in diese schönen, hellen, salonartigen Räume.